Siegener Spiegelzelt

DOTA – In der fernsten der Fernen | Mascha Kaléko 2

„…Die Wehmütigkeit des Bossa Nova aufgreifend, ist die Vertonung des Gedichts über „Die vielgerühmte Einsamkeit“. Dass diese im Grunde nur zu ertragen ist, wenn man jemanden davon erzählen kann, auf dieses Dilemma weisen Kalékos Zeilen hin. Im Saal, wenn der Refrain erklingt, singt das Publikum nun leise mit. Ja, das ist ein Gefühl, das man kennt.“ (FAZ)

„Auf nichts ist Verlass, nur auf Wunder“ sagt Mascha Kaléko in „Die frühen Jahre“. Und dieses Bild zeigt all die Kraft, die Kaléko mit ihrer Sprache aus den Widersprüchen des Lebens und ihrer Zeit zu ziehen und bündeln imstande war.
Die empathischen Vertonungen von DOTA sind Punktlandungen; sie geben dieser Sprache eine Plastizität und Aktualität, die höchst nahbar und dabei unnachahmlich ist.

Das zweite Kaléko-Album von DOTA ist noch weiter noch tiefer und noch leichter geworden als das erste. Nirgends der schwere staubige Duft von Hochkultur, der sogenannten Literaturvertonungen oft anhaftet. Die große Kunst sind nicht nur die geschmacksicheren Federstriche der Musik, die Streicher und Bläser-Arrangements, die jedem Lied sitzen wie ein Hauch von Kleid. Es ist die gelungene Verkörperung einer Verbindung von Lyrik und Klang, die eine weitere tragende Ebene schafft, auf der auch der Zuhörer einen geschützten und zeitlosen Platz findet. In der originären Atmosphäre des Spiegelzeltes wie Zuhause.

Über die Dichterin:
Mascha Kaléko fängt in den Zwanzigern des vergangenen Jahrhunderts in Berlin an zu schreiben, die frühen Gedichte sind pointierte Alltagsskizzen auf Berlinerisch. Diese Schwester im Geiste eines Joachim Ringelnatz oder Erich Kästner schafft ihre innige, bisweilen ironische, oft herzblutig beseelte Großstadtlyrik in den 1920 und 30er Jahren in Berlin. Sie ist die Stimme der jungen Menschen, die sich in der Großstadt durchschlagen. Sie ist ebenso verliebt, müde und traurig und ebenso wenig auf den Mund gefallen wie sie. Ihr Erfolg als Literatin bricht mit der Machtübernahme der Nazis jäh ab. Sie darf als Jüdin nicht mehr veröffentlichen. 1938 verlässt sie Berlin, aber die Stadt bleibt ihr fester Bezugspunkt.

Über die Band:
Dota Kehr ist Berlinerin, textet, singt und war zunächst als Kleingeldprinzessin unterwegs. Seit 2013 spielt sie in der Besetzung mit Jan Rohrbach (git), Janis Görlich (dr) und Jonas Hauer (keys) unter dem Bandnamen DOTA Konzerte. kleingeldprinzessin.de
Auf einem der DOTA-Konzerte steckte ihr ein Fan ein Büchlein zu, Autorin: Mascha Kaléko. Dota ist begeistert von der Direktheit der Gedichte, der Verknappung der Sprache und fasst den Plan, aus den Texten Musik zu machen. Die schlichte Eleganz und zeitlose Strahlkraft ihrer Dichtkunst passt Dota Kehr wie angegossen. Dota und ihre Band haben den Gedichten eine zusätzliche Ebene gegeben, neue Farben, Ton-in Ton oder in Kontrasten. Dota hat die Texte Mascha Kalékos in unsere Zeit gebracht, noch mehr: sie klingen, als wären sie jetzt geschrieben, in genau dieser Form, für uns.
DOTAs erstes Album mit Kaléko Vertonungen hielt sich 8 Wochen in den Album Charts
Am 22.9.2024 bringt DOTA in Siegen „In der Fernsten der Fernen – Kaleko 2“ auf die Bühne und zusätzlich zu den o.g. Musikern noch 2 weitere Musikerinnen mit: Wencke Wollny (sax/klarin./voc) und Antonia Hausmann (pos/voc). Dadurch kommen wir in den Live-Genuss der illustrierenden Klangfarben, die szenenhaft die lyrischen Sprachbilder charmant performt in uns lebendig werden lassen.

Text: Francesco Wilking / Konstanze Arens
Foto: Annika Weinthal

Eintritt

VVK: 28 € , ermäßigt: 18 €
AK: 32 € , ermäßigt: 22 €

SO 22.09.2024

20.00

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